Bogenklassen

Es gibt verschiedene Arten von Bögen, die sich in Bauweise, Funktion und Verwendungszweck unterscheiden.

Wir beschreiben hier die Bögen, welche sich nach den Regeln der WA decken und auch bei unseren Turnieren so eingeteilt werden.

Langbogen (LB)

Langbogen ist der Oberbegriff für alle einfachen, stabförmigen Bögen aus einem Stück. Er ist eine der ältesten und traditionsreichsten Bogenarten im Bogenschießen und zeichnet sich durch seine einfache Bauweise und Robustheit aus.

Nach den Regeln der WA (World Archery) müssen Bögen, die in dieser Klasse geschossen werden wollen, aus einem Stück (meist aus Holz) bestehen und eine Mindestlänge von 150 cm haben. Die Form des Griffes unterliegt keinen Beschränkungen. Der Langbogen kann ohne Bogenfenster (Primitivbogen), bei dem der Pfeil über den Handrücken abgeschossen wird, oder mit Bogenfenster gebaut werden. In diesem Fall erfolgt der Pfeilschuss über den waagerechten Teil des Bogenfensters (Shelf), der meist mit Leder oder ähnlichem überzogen ist.

Ein weiteres Merkmal des Langbogens ist die Sehne, die den Bogen nur an der Sehnenaufhängung (Tip) berühren darf. Die Sehne kann aus beliebig vielen Fäden bestehen und auch mehrfarbig sein.

Der Bogen darf keine Visiere oder Markierungen aufweisen, die als Zielhilfe dienen könnten.

Wer also in der Disziplin Langbogen an einem WA- oder IFAA-Turnier teilnehmen möchte, sollte sich vor dem Kauf eines solchen Bogens erkundigen, ob er für diese Disziplin zugelassen ist.

Wichtig ist, dass in dieser Disziplin nur mit Holzpfeilen an einem Turnier teilgenommen werden darf. Die Pfeile müssen die gleiche Farbe haben, mit Naturfedern befiedert sein und auf dem Schaft den Namen oder die Initialen des Schützen tragen.

Traditional Bow (TB)

Der Traditional Bow wurde früher auch Instinctive Bow/Standardbogen genannt, da er keine Visiereinrichtung hat und der Schütze sich auf seinen Instinkt verlässt. Die Umbenennung in Traditional Bow erfolgte im Herbst 2021 bei einer WA-Sitzung in Yancton.

In dieser Klasse ist nach den Regeln der WA zu beachten, dass der Bogen aus einem hölzernen Griff/Mittelstück und zwei flexiblen hölzernen Wurfarmen besteht. Jede Art von Visier oder Zielhilfe sowie außen angebrachte Gewichte sind verboten. Die Wurfarme sind an den Enden mit einer Sehnenkerbe versehen. Auch hier sind der Form des Griffes keine Grenzen gesetzt.

Der Traditional Bow wird in der Regel mit einem Bogenfenster gebaut, das jedoch keine verstellbare Pfeilauflage haben darf. Hier wird entweder eine selbstklebende Auflage oder die Unterkante des Bogenfensters (Shelf) verwendet.

Der Bogen wird durch eine Sehne gespannt. Diese kann aus beliebig vielen Fäden in verschiedenen Farben des gewählten Materials bestehen und wird direkt zwischen den beiden Sehnenkerben eingespannt. In dieser Bogenklasse darf die Position der Finger auf der Sehne nicht verändert werden. Pfeile aller Art sind erlaubt, können aber je nach Land variieren. Auch hier gilt für das Turnier, dass alle Pfeile die gleiche Form haben und mit den Initialen des Schützen gekennzeichnet sind.

Bearbow (BB)

Der Bearbow, auch Blankbogen genannt, stellt in der technischen Entwicklung den Übergang vom Traditional Bow zum Olympic Recurve Bogen dar.

Er besteht gemäß WA wie der Traditional Bow aus einem Mittelteil und zwei flexiblen Wurfarmen, deren Enden jeweils mit einer Sehnenkerbe versehen sind. Mittelteil und Wurfarme können aus beliebigen Materialien bestehen. Beim Bearbow darf eine Pfeilauflage verwendet werden, die verstellbar sein kann. Es dürfen jedoch keine Markierungen, Visiere oder Laminierungen im Bereich des Bogenfensters verwendet werden, die als Zielhilfe dienen könnten.

Ein Button und ein Blankbogengewicht dürfen verwendet werden. Schwingungsdämpfer und Gewichte sind zulässig, wenn sie vom Hersteller in das Mittelstück eingebaut sind. Die Anbauteile müssen bei ungespanntem Bogen durch einen Ring von 12,2 cm passen.

Die Sehne wird auch hier gespannt und verläuft zwischen den Sehnenkerben. Die Anzahl der Sehnen und die Farben sind nicht vorgeschrieben. Die Position der Finger auf der Sehne und im Gesicht kann verändert werden. Dies bedeutet, dass mit der Stringwalking-Methode geschossen werden kann. Dabei wird die Sehne je nach Entfernung zum Ziel weiter oben oder weiter unten gegriffen und dann geschossen.

Pfeile aller Art dürfen in dieser Disziplin verwendet werden, solange sie die gleichen Farben haben und mit den Initialen/Namen des Schützen versehen sind.

Recurve (RE)

Der Recurve ist der einzige Bogen, der bei Olympischen Spielen geschossen werden darf. Er ist eigentlich ein Barebow, der mit Zusatzeinrichtungen ausgestattet werden kann.

Das heißt, auch er hat einen Griff/Mittelstück mit zwei flexiblen Wurfarmen aus beliebigem Material. Er ist mit nur einer Sehne bespannt, die direkt in der Sehnenkerbe am Ende der Wurfarme verläuft. Für die Wahl der Sehne gibt es keine Regeln bezüglich der Anzahl der Fäden, des Materials und der Farbe.

Die Pfeilauflage kann verstellbar sein und mehr als eine vertikale Auflage ist erlaubt. Eine Auszugskontrollhilfe (Klicker) ist ebenfalls erlaubt. Diese kann hörbar, tastbar und/oder sichtbar sein. Beim Recurve ist ein Visier zum Zielen sowie Stabilisatoren und Schwingungsdämpfer erlaubt.

Die Materialwahl der Pfeile ist dem Schützen freigestellt, sofern sie die gleiche Markierung/Farbe aufweisen und mit dem Namen oder den Initialen des Schützen gekennzeichnet sind.

Compound (CO)

Die Compound-Klasse wird oft als Königsklasse bezeichnet. Das Compoundschießen ist ein Präzisionsschießen, da es technisch anspruchsvoller ist. Der Bogen besteht aus Rollen und Kabeln (Buskabel und/oder Steuerkabel), um die Zugkraft, die zum Spannen des Bogens erforderlich ist, zu verringern. Dies bedeutet, dass der Schütze weniger Kraft aufwenden muss, um den Bogen gespannt zu halten, was zu einer höheren Präzision und Pfeilgeschwindigkeit führt.

Der Compoundbogen besteht aus einem Mittelteil, dessen Auszug mechanisch durch ein System von Cams oder Exzenterrollen verändert wird. Der Bogen ist mit einer Sehne und Kabel bespannt, die je nach Konstruktionsprinzip direkt zwischen den beiden Cams/Exzenterrollen der Wurfarme verlaufen. Die Ausrüstung darf keine elektrischen oder elektronische Komponenten beinhalten. Nach den Regeln der WA darf das Zuggewicht 60 lbs nicht überschreiten.

Eine Bogensehne jeglicher Art, sowohl Material als auch Farbe, sowie Lippen- oder Nasenmarkierungen (Kisser) sind erlaubt. Der Druckpunkt für die Pfeilauflage darf verstellbar sein. Ebenso dürfen Auszugskontrollen, ob fühlbar, hörbar und/oder sichtbar, sowie ein Visier verwendet werden. Alle Pfeilarten sind erlaubt, wobei ein Holzpfeil aufgrund seiner enormen Kraft eine Gefahr für den Schützen darstellt.

Abschlussstatement

Die hier angeführten Bogenklassen bieten dem Schützen eine Vielzahl von Möglichkeiten, je nach seinen Vorlieben und Anforderungen. Jede Klasse hat ihre eigenen Besonderheiten und Vorteile, die sie für verschiedene Schießstile und Situationen geeignet machen.